Jazz in Dübendorf 2010
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Musiker der Band
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Von Kopf bis Fuss Nach dem überwältigenden Erfolg der dritten CD-Produktion „Same Pictures – New Exhibition“ (der Bearbeitung von Musorgskys „Bilder einer Ausstellung“), kommt es im zehnjährigen Bestehen von MATS-UP zur ersten Neuorientierung. Wir sollten mit Matthias Spillmann den Aufbruch zu neuen Ufern wagen: Der ausdrucksstarke Trompeter hat Mats-Up nicht nur zum Quintett geschrumpft, sondern auch teilweise umbesetzt. Von den Musikern, die auf «Same Pictures - New Exhibition» mitmachen, ist neben dem Leader noch der zwischen Eleganz und Entfesselung oszillierende Schlagzeuger Dominic Egli mit von der Partie. Dazu kommt mit Saxophofonist Reto Suhner ein formbewusster und doch befreit aufspielender Improvisator, der Spillmanns teils lyrische, teils explosive Spielweise perfekt ergänzt. Der Piano-Shooting-Star Colin Vallon tut sich nicht zuletzt durch seinen äusserst sensiblen Umgang mit klanglichen Nuancen hervor. Am Bass kompletiert der druckvoll-schnörkellose Tiefton-Spezialist Raffaele Bossard die Gruppe. Für dieses hochkarätige Quintett hat Spillmann neue Stücke komponiert, die sich durch die hymnische Strahlkraft lyrischer Melodien und die aufwühlende Wucht afrikanischer Rhythmen auszeichnen. Diese schillernden Stücke zielen darauf ab, den osmotischen Ideenaustausch zwischen den hellhörigen Musikern in Gang zu bringen. Mit anderen Worten: Alle Beteiligten sollen sich möglichst spontan an einem work in progress beteiligen. Der primus inter pares Spillmann gibt zwar die Konturen und Schraffierungen vor, überlässt aber die Farbgebung der kollektiven Intuition. Die «Metaphysical Dance Music» von Mats-Up macht nicht vor der Gürtellinie halt - sie fährt in die Beine und bringt gleichzeitig die grauen Zellen im Oberstübchen zum Vibrieren. Sie erfasst uns von Kopf bis Fuss.
Musiker-Biografien
[0] Matthias Spillmann:
Matthias Spillmann hat schon unzählige Konzerte in Europa, den USA und Afrika bestritten. Unter anderem spielte er an den Internationalen Jazzfestivals in Lugano, Willisau, Bern, Montreux, Frauenfeld, Cully, Lausanne, Grahamstown (Südafrika), Madajazzcar (Madagaskar), an der 24. IAJE Conference in Chicago, an der 25. in New York, sowie als Solist im Orchester der European Broadcasting Union 2002. Dabei kam es zur Zusammenarbeit mit Grössen wie Joe Lovano, Clark Terry, Bill Holman, Franco Ambrosetti, Bob Berg, Randy Brecker, Jojo Mayer, Sophie Hunger, Bob Mintzer, Adam Nussbaum, Malcolm Braff und anderen. Neben drei MATS-UP Alben hat er mit dem ungarischen Klaviervirtuosen Robert Lakatos und dem belgischen Drummer Dre Pallemaerts eine Live CD aufgenommen. Als Komponist und Arrangeur hat er schon für verschiedene Kleinformationen und Big Bands, sowie für Kammermusikformationen im klassischen Sektor gearbeitet. Zusätzlich zu MATS-UP leitet er das Trio MAT-DOWN und ist in einigen Projekten als Sideman tätig.
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Weiterführende(r) Link(s) zur Person:
http://www.matthiasspillmann.ch
http://www.matsup.ch
[0] Colin Vallon:
Colin Vallon wurde 1980 in Yverdon geboren. Nach einer dreijährigen klassischen Ausbildung besucht er im Alter von vierzehn Jahren Musikstunden beim Jazzpianisten Marc Ueter. Der Eintritt in die Swiss Jazz School erfolgt mit achtzehn. Seine Lehrer sind Silvano Bazan und später William Evans. 1999 gründet er das Colin Vallon Trio mit Lorenz Beyeler und Raphaël Pedroli, mit dem er regelmässig in der ganzen Schweiz und auch im Ausland auftritt. 2004 erscheint die CD "Les Ombres" auf dem CH-Label Unit Records. Er gewinnt mehrere Auszeichnungen, so den Preis der Friedl-Wald Stiftung, den 3. Preis der Montreux Jazz Piano Solo Competition 2002, sowie den 1. Preis im Nescafé-Wettbewerb "Let’s Jazz Together" 2003. 2004 erhält er einen Kompositionauftrag von der Pro Helvetia und sein Trio war eine von drei selektionierten Gruppen für den "ZKB Jazzpreis 2004". Im Januar 2005 begleitet er den amerikanischen Gitarristen Kurt Rosenwinkel im Rahmen des Swiss Diagonales Festival. Mit seinem neuen Quintett "Colin Vallon Cinq" (mit dem französischen Trompeter Erik Truffaz) spielte er im Bejazz Winterfestival 2005. Als Sideman spielt er unter anderem im Cyrille Bugnon Quartet, Sascha Schönhaus Express, Nils Wogram "Lush", Daniel Schläppi "Dimensions", Lisette Spinnler "Siawaloma", Fabian Gisler Quartet, Lole, … Auftritte bei mehreren Schweizer sowie Internationalen Festivals (Bern, Basel, Cully, Montreux, Langnau, Cannes, Strasbourg, Dubai …).
Klingende Berichte aus dem Schattenreich
Als Jungtalent wird er in der Szene gehandelt. Der welsche Jazzpianist Colin Vallon beweist auf seinem Erstling, dass er die Lorbeeren verdient.
©Christoph Merki - Tages Anzeiger
Rebellisch wirkt er oder zumindest jugendlich cool, wie er mit der schwarzen Wollmütze so dasteht inmitten seiner Gepäckstücke. Er fingert am Kabel eines iPods herum und streift zur Begrüssung den Kopfhörer ab. Zürcher Hauptbahnhof, am letzten Mittwochmorgen. Colin Vallon kommt vom Flughafen her, "Starsky and Hutch" habe er im Flugzeug geschaut, zwinkert er. Sechs Wochen weilte er in New York, ein Eintauchen in die Mutterstadt des Jazz wars, Sessions da und dort, im Cleopatras Needle oder im C-Note, jetzt ist er auf der Heimreise nach Bern.
Vallon, Jahrgang 1980, in Yverdon als Sohn eines Psychiaters und einer Lehrerin aufgewachsen, geniesst in der helvetischen Jazzszene bereits einen guten Ruf. Es hat sich herumgesprochen, dass an der Berner Jazzschule ein Student den üblichen Standard sprengt und sich früh als souveräner Spieler profiliert. Vallon ist nun aber nicht vom Schlag eines auftrumpfenden amerikanischen "Young Lion", der mit flamboyanten Tönen und sozusagen zähnefletschend auf sich aufmerksam machen will. Sein eben erschienenes Debütalbum "Les Ombres" (Die Schatten) zeigt das. Leichte und lebhafte Töne bilden eher die Ausnahme darauf -von einer Fulminanz der Musik kann nicht die Rede sein, im Gegenteil. Getragene Akkorde überwiegen und klangschöne, feierliche Momente, das tönt teils wie ein Requiem. Vallons seit 1999 bestehendes Klaviertrio (Lorenz Beyeler, Bass; Raphael Pedroli, Drums) peilt die verhalten-feinfühligen Töne an, wir hören eine wohlgesetzte Klavierromantik in Moll, die häufig in den unteren Registern spielt.
Da erstaunt es denn nun doch ein wenig, wenn Vallon im Gespräch von der "Superenergie" New Yorks schwärmt, dabei gar die Faust ballt, Pianisten wie den Bebop-Pionier Bud Powell oder den Saxofonisten John Coltrane, diesen Intensitätsfetischisten, als seine nachhaltigsten Einflüsse angibt. Eher glaubt man Vallon auf der Spur zu sein, wenn er erzählt, er habe eine Zeit lang sehr intensiv Sciencefiction-Literatur gelesen, er schätze auch Rimbaud und Baudelaire, die französischen Schriftsteller. Stücktitel wie "Voyage de Nuit" sind ein weiterer Fingerzeig: In Vallons Musik wachsen ständig Schatten, gross ist ihm die Nacht, und vor dem geistigen Auge sieht man beim Hören seiner vielen Abschiedstöne einen leicht schwermütigen, im Abendland verwurzelten Adoleszenten voller romantischem Sehnen.

Musik aus der Alten Welt
Sind die stärksten Einflässe am Ende die, die man selber gar nicht spürt? Ist formale Bildung nur Überbau, das Entscheidende aber ereignet sich subkutan? "Meine Mutter hörte viel klassische Musik zu Hause", erzählt Vallon, "ich merke heute, dass ich viele klassische Kadenzen im Ohr habe, obwohl ich das nicht studiert habe."Während der Gymnasialzeit habe er sich zudem für Rockmusik begeistert, für Kurt Cobain und Nirvana. "Ich komponiere viel. Die guten Stücke sind Ausdruck meiner inneren Welt, und sie sind", kokett lächelt Vallon bei diesen Worten, "vermutlich eher traurig als froh."
Tatsächlich hat man den Eindruck, dass Vallon nur mit einer Seelenhälfte im Gravitationsfeld der amerikanischen Jazztradition steht (was ihn mit Brad Mehldau eint). Vallons Klaviertrio arbeitet öfter mit scheinbar aus der Klassik stammenden Klangbildern. Die Akkordik im Thema von "Une Rose en Hiver" etwa kommt ohne die sonst im Jazz so typischen Spannungstöne aus. Man denkt mehr an einen klassischen Komponisten, der das Themenmaterial weiterverarbeitet, denkt mehr an die Alte Welt als an die Neue. Auch Popjazz nach Art des norwegischen Pianisten Esbjørn Svensson (von dem Vallon aber nur ein paar Stücke gehört haben will) schimmert durch. Wie dieser bietet Vallons Trio zum Beispiel in "Horizon Es-tompe" oder "Juste une" viele ostinate Figuren und flockige, gut abgehangene, mit den Besen gespielte binäre Grooves.
Und wie sieht Vallon seine pianistische Zukunft? Ans Great American Songbook will er sich nicht halten. Er wolle "Stimmungen schaffen", was ihm am besten gelinge, wenn er die Dinge in eigenen Stücken stark ausdefiniere. Am entgegengesetzten Ende der Skala interessiert er sich m letzter Zeit verstärkt für "wirklich freie Sachen", für eine Musik, die von einfachsten Ideen ausgehe und sich dann sehr frei entwickle. Ein bisschen Rebellentum ist eben auch diesem Romantiker eigen.

(© Tages-Anzeiger, 19. Juni 2004)
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[0] Raffaele Bossard:
Kraftvoll. Erdig. Groovig. Natürlich. Mit diesen Worten lässt sich Raffaele Bossard\'s Spielweise umschreiben.
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[0] Dominic Egli:
Dominic Egli gilt mittlerweile als einer der originellsten Jazzschlagzeuger der Schweiz. Sein breites Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten hat er sich unter anderem während längeren Aufenthalten in Amerika und Westafrika geholt. Neben MATS-UP spielt er häufig in Trioformationen. So hat er u.a. mit Peter Frei, Jean-Paul Brodbeck, Marcos Jimenez und Robert Lakatos vielbeachtete Trioplatten eingespielt, die auf Labels in der Schweiz, in Japan, sowie auf internationalen Major Labels erschienen sind. Im Moment ist er auch in den folgenden Bands aktiv: K:E:B (karnusian/egli/bucher), daniel schläppi\'s voices, araxi karnusian\'s strange sounds-beautiful music, marcos jimenez trio, oli kuster kombo und duo whirlpool
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